Bessere Zeiten Festival 3
15.09.2007
mit: Sonic Boom Foundation, Orphan Hate, Betrayer, Jouvernante, Emesis, ZenZebra, Cutterfly, Porcelaine, Grünfeuer

Irgendwann vor zig-tausenden von Jahren sagte mal so ein haariger Typ
“Wachset und mehret euch!“ und ich bin mir ganz sicher: Er meinte damit wohl das Bessere Zeiten Festival…

Das dritte, und mit 3000 Mann das wohl am höchsten frequentierte kostenlose Festival in Leipzig, fand am 15. September 07 auf der Leipziger Festwiese statt.
9 Bands mit neun unterschiedlichen Musikstilen rockten das Publikum bis spät in den Abend!

Angefangen um 15 Uhr eröffneten „Grünfeuer“ aus Markkleeberg!
Nach eigenen Angaben spielen sie „Musik von HipHop (Seeed, Freundeskreis), Funk (EartWind&Fire, Tower of Power bis Blues und Rock alles...“ und genauso klang es! Die ersten Neugierigen sammelten sich vor der Bühne und genossen zu Reggaeklängen den warmen Sonnenschein.

Dann kamen die 3 Jungs von „Porcelain.“ auf die Bühne und die Anlage spürte das erste Mal wie sich dicke Gitarrenwände an den Membranen anfühlen. Mehrstimmiger Gesang verbreitete sich über die Festwiese und zog so bereits ca.500 Leute auf den Platz. Allerdings hangelte sich die Mehrzahl der Besucher zu diesem Zeitpunkt noch von Infostand zu Infostand. Die Jungs spielten sauberen „Emo-Indie-Rock“ und das ziemlich tight. Die etwas schiefen Töne von Sänger Stefan Heinrich (für die er sich noch auf der Bühne entschuldigte) fielen deshalb gar nicht so arg ins Gewicht!

Nach einer kurzen Umbaupause bestiegen „Cutterfly“ die Jahr für Jahr größer werdende Bühne. Eine dicke Metalwand schlug auf die immer mehr werdenden Besucher vor der Bühne ein. Was da auf der Bühne abging war feinstes Riffing abgerundet durch die Stimme von Norbert Mattis. Dieser Mann hat eine unglaubliche Livestimme die hier und da an Corey Taylor erinnert. Klarer sauberer Gesang und Growls die Mark und Bein erschüttern. Leider waren letztere seltener zu hören… Absolut sehenswerte Live Band!

Und dann kam der lang ersehnte Auftritt einer Band, deren komplette Instrumentenfront der Band „Flucht-WG“ (welche mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat) entsprungen ist.
Zen Zebra“, der neue Name, Marv, der neue Sänger…
Ziemlich schwarz gekleidet und ruhig betreten die gestandenen Musiker die Bühne und legten los mit einem furiosen Set. Weit ab von Schubladensongs und typischen Songstrukturen bauen die Jungs von ´Zen Zebra´ ein Soundgebilde in die Landschaft, so dass die vermeintlich 1000 weiblichen Fans nicht anders können als die Arme in die Luft zu reißen. Ich vermute mal das lag auch zum Teil an den durchweg gut aussehenden Jungs.
Vielleicht aber lag es auch an dem „neuen“ Marv, der mittlerweile ganze Melodiebögen aus seinem Kehlkopf, Zwerchfell und Bauch presst, wie man es von ihm bisher nicht gewohnt war.

Ich hab mich nach dem Gig mit Marv zusammengesetzt und ihm ein paar Fragen gestellt:

Ron:
„Neben deinen bereits bestehenden erfolgreichen Bands, wie ´Gran Erupto´ und ´Boing´, hast du dir mit ´Zen Zebra´ ein weiteres Musikprojekt als Sänger auf die Fahne geschrieben. Wohin soll die Reise mit ´Zen Zebra´ gehen?“

Marv:
„Es soll auf jeden Fall in eine ganz andere Richtung gehen, als das was ich bisher mache. Ich möchte etwas ausprobieren, vielleicht etwas neues kreiern, und ich will raus auf die Bühne. So wie es aussieht, werde ich das mit den Jungs in Zukunft ausreichend tun. Außerdem ist die Musik, die die Jungs schreiben genau das, wonach ich schon lange gesucht habe.“

R: „Wie ich auf eurer Homepage gesehen habe, geht dein Wunsch nach vielen Live-Gigs bereits jetzt im September in Erfüllung? Und zwar spielt ihr eine Menge Konzerte in Armenien, wie ist es dazu gekommen?“

M: „Das waren noch Nachwehen aus ´Flucht-WG´ - Zeiten. Die haben sich irgendwann mal beworben und haben die Zusage für einige Konzerte in Armenien bekommen. Wir hatten das Glück dass die Veranstalter nach dem Besetzungswechsel und der Umbenennung bei ihrer Entscheidung geblieben sind. „

R: „Wie würdest du die Musik von ´Zen Zebra´ beschreiben?“

M: „Die Musik beleuchtet eher die dunkle Seite des Lebens und wird von ziemlich viel Melancholie getragen. Dennoch ist die Art wie ´Zen Zebra´ traurige Musik machen, anders als bei anderen. Man kann traurige Musik machen und schläft dabei ein. Wir machen es anders…“

R: „Kurz noch mal einige Worte zu deinen anderen Projekten: Was haben wir da noch zu erwarten?“

M: Mit ´Gran Erupto´ haben wir nach einer unfallbedingten Pause vor kurzem eine Platte namens „Wings and Airholes“ rausgebracht. Auf Tour wird es auch wieder gehen wenn Uli (Bassist –Anm.d.R.) komplett genesen ist. Und in der Hinsicht sieht es sehr gut aus…
Was ´Boing´ angeht haben wir alle begriffen, dass da nichts zu reißen ist, dennoch sind wir da und werden auch weiterhin zusammen Musik machen. Der Spaß steht absolut im Vordergrund.

R. „Mir ist aufgefallen, dass du deinen Gesang in eine melodiösere Richtung treibst. Zu hören bereits auf „Wings and Airholes“ von ´Gran Erupto´ und ganz besonders bei ´Zen Zebra´…“

M: „Ich hab vor kurzem mal eine Probe-Gesangsstunde genommen und werde wohl weiter machen. Ich muss meinen Gesang in eine gesunde Bahn lenken und möchte sicherer im Gesang werden. „

R: „Gib den Lesern bitte noch eine Zukunftsaussicht in Sachen ´Zen Zebra´.

M: Wir werden mit ´Zen Zebra´ ein großes Paket aufmachen wenn es richtig losgeht. Manch einer wird schon den Counter auf unserer Homepage www.zenzebra.de bemerkt haben. Dieser zeigt ungefähr an, wann sowohl unsere Page vollständig an den Start geht wie auch eine Myspace-Seite etc. Es wird auch der Zeitpunkt sein an dem wir unseren ersten Longplayer vorstellen werden…“

Ich danke Marv für das Interview…

´Emesis´ sind am Start! Die Band aus Chemnitz entert die Bühne und ohne viel Vorgeplänkel rocken sie los! Mit Ihrem Synthiepop angehauchten Metal können sie bei den mittlerweile ca. 700 Mann vor der Bühne punkten. Die aktuelle EP „Freak“ sei jedem ans Herz gelegt.

Um erstmal eines klar zu stellen: ´Jovernante´ spielen keinen Rockabilly! Was auch jedem bei dem Konzert aufgefallen sein wird. Ich hörte Stimmen wie: „Die klingen wie die Arctic Monkeys, Strokes etc. …
Ein furioser Auftritt mit klaren Guitarlines und tightem Background macht die Jungs auf jeden Fall zur Empfehlung.

Und dann kamen ´Betrayer´. Sie kamen, sahen und siegten…
Die geneigte Thrash-Metal-Gemeinde versammelte sich in der Umbaupause bereits zahlreich vor der Bühne um dem ungehemmten Headbanging zu frönen.
Mit dem ersten Ton sah man Haare soweit das Auge reichte. Wenn auch nicht immer gerade gespielt, haben ´Betrayer´ ihre Fans im Griff und feierten eine 40minütige Party die auch nach ihrem Auftritt nicht aufhörte…

Ein Highlight folgt dem nächsten. Wie bereits erwähnt, fanden in den Umbaupausen viele Shows und Vorstellungen statt. Da mittlerweile die Nacht über der Leipziger Festwiese stand, wurde die „Electric-Fire-Show“ gezündet. Mit Fackeln und elektrischen Jonglage-Stäben wurden leuchtende Gebilde in die Nacht gezaubert. Die Moderatoren, die sich bereits wieder auf der Bühne befanden, hatten Mühe die faszinierten Zuschauer vor selbige zu locken um die nächste Band ´Orphan Hate´ anzukündigen.

´Orphan Hate´ machen „Melodic Thrash-/Deathmetal“ und das nicht zu wenig. Die Spielfreude und das Können merkt man dieser Band an und es ist eine Freude ihnen beim Spielen zuzusehen. Besonders hervorzuheben ist die Frontfrau. Sina hat ein Organ, welches sich manch ein Sänger wünscht. Melodiöser Gesang trifft auf Growls from Hell. Unglaublich! Mit einem Stone Sour-Cover beendeten ´Orphan Hate´ ihren Gig und machten die Bühne frei für eine Band die nach eigenen Angaben „Elektrock“ spielen…

Wer immerzu sagt, aus Leipzig käme nichts Neues, der sei hiermit Lügen gestraft. ´The Sonic Boom Foundation´ haben die perfekte Synergie zwischen Rock und Techno in all seinen Facetten gefunden. Diese Lücke zu schließen, versuchten schon „Think About Mutation“ in den 90´ern und ließen ihre Fangemeinde Ende 2003 im Stich. „The SBF“ schließen nun diese Lücke und treffen damit auf offene und hungrige Ohren. Keine andere Band schafft es zur Zeit, Metalheads und Technojünger gemeinsam tanzend und bangend vor der Bühne zu versammeln. „The SBF“ gibt es erst seit ca. 1,5 Jahren und dennoch haben alle Musiker bereits Jahrzehnte Bühnenerfahrung auf dem Buckel. Die Party war unglaublich und Extrapunkte in der Gunst der Fans holten sie sich, indem sie Freibier von der Bühne herab verteilten. (Ein ausführliches Interview mit Joey (Bass) über „The Sonic Boom Foundation“ wird es in Kürze an dieser Stelle geben. Stay tuned…)

Ein genialer Ausklang für ein geniales Festival.

Wie Eingangs erwähnt wird das Bessere Zeiten Festival immer größer und bekannter. Dieses ist nicht nur machbar, weil die Bands für lau spielen, sondern dies ist ebenso den vielen freiwilligen Helfern, Partnern, Sponsoren und natürlich auch den zahlreichen Besuchern des Festivals zu verdanken.

Wir sehen uns beim Bessere Zeiten Festival 4 in 2008!

Ron, BCL-Redakteur